Niclas Pieczkowski führt mit dem SC DHfK Leipzig die Tabelle an. Verspäteter, aber ungemein erfolgreicher Saisonstart

Markus Wassmuth

Leipzig/Letmathe „Es war zwar erst der vierte Spieltag, doch so einen Moment muss man natürlich genießen“, sagt Niclas Pieczkowski. Der Handball-Europameister von 2016 hat mit seinem aktuellen Verein, dem SC DHfK Leipzig, nach dem 28:23-Erfolg bei den Rhein-Neckar Löwen die Tabellenspitze der Handball-Bundesliga übernommen, für ihn ebenso eine Premiere wie die Tatsache, mit den Löwen nun auch den letzten der großen deutschen Klubs einmal bezwungen zu haben.

 

Siege gegen Kiel und Flensburg durfte er mit den Leipzigern bereits vor eigenem Publikum feiern, doch dieser Erfolg in der SAP-Arena hatte für ihn noch einmal eine andere Qualität. Obendrein war es für Niclas Pieczkowski der erste Einsatz in der Saison 2020/21. In der Woche vor dem Auftaktspiel war er im Training umgeknickt und hatte sich einen Bänderriss zugezogen, der noch verheilen musste.

Vor dem Hintergrund einer schweren Schulterverletzung, die ihn inklusive Operation bis Anfang 2020 monatelang außer Gefecht gesetzt hatte, war das aber nur ein „Kratzer“. Sein Comeback im Februar dauerte nur drei Spiele, dann wurde die Saison wegen der Corona-Pandemie abgebrochen. Es folgten Wochen, in denen nicht klar, wie die sportliche Zukunft von Niclas Pieczkowski aussehen würde, bis er im Sommer einen neuen Ein-Jahres-Vertrag in Leipzig erhielt.

„Ich haben so viel trainiert wie noch nie, um das Comeback zu schaffen. Aber es sind in der Reha auch immer die gleichen Übungen. Da war es eine tolle Sache, endlich wieder mit der Mannschaft trainieren zu können“, schildert er seine Eindrücke. Die Bänderverletzung konnte ihn da nicht aus der Bahn werfen. Mit seinem Verein will er in dieser Saison an die Europacup-Plätze herankommen. „In diesem Wettbewerb habe ich noch nicht gespielt“, sagt Pieczkowski.

Heute steigt das Heimspiel gegen Frisch Auf Göppingen

Der 41-fache Nationalspieler bestreitet heute das Heimspiel gegen Frisch Auf Göppingen. Bislang durften die Handballer der Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK) vor 2100 Zuschauern in ihrer knapp 8000 Plätze bietenden Halle spielen, doch kurzfristig könnten diesmal aufgrund steigender Infektionszahlen auch nur 999 Fans zugelassen werden. „Unser Geschäftsführer Karsten Günther hat zusammen mit seinen Mitstreitern ein gutes Konzept ausgearbeitet, das auch bei diesen Zuschauerzahlen für echte Heimspielatmosphäre sorgt“, lobt Pieczkowski.

Überhaupt sieht er seine aktuelle Heimatstadt gut aufgestellt. Die familienfreundliche Großstadt in Sachsen ist bislang von der Corona-Pandemie nicht mit voller Wucht getroffen worden. „Das liegt vielleicht auch daran, dass man hier nicht so dicht beieinander ist wie im Ruhrgebiet. Das beginnt schon bei der Wohnsituation, wo man in vielen Fällen über mehr Raum verfügt“, stellt er fest. Und auch das Hygienekonzept für die Quarterback Immobilien Arena, der Heimspielstätte der Handballer, ist von langer Hand geplant worden. So hatte der Musiker Tim Bendzko im Sommer Konzerte unter verschiedenen Testbedingungen für eine Versuchsreihe der Universität gegeben. Die hier gewonnenen Erkenntnisse kamen auch dem DHfK-Konzept zugute.

Gute Rahmenbedingungen in Leipzig nutzen

Mit diesen guten Rahmenbedingungen soll es für den 30-jährigen Niclas Pieczkowski und seine Leipziger Handballer nun erfolgreich weitergehen. Der Blick auf den Spielplan lässt erahnen, dass sich die Sachsen mit weiterhin starken Leistungen noch eine Weile an der Tabellenspitze halten könnten. Doch von solchen Spekulationen möchte der gebürtige Hohenlimburger, der beim Letmather TV seine ersten handballerischen Gehversuche unternahm, nichts wissen: „Natürlich wird jetzt viel spekuliert, doch wir denken nur von Spiel zu Spiel.“ Und es könnte ja auch ein neues Ziel sein, alle Topklubs der Liga ein zweites Mal zu schlagen.

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